Die Härte der Marinejustiz

 

Wenn man mal bedenkt, dass der Krieg bereits vorbei war, als die drei Matrosen zum Tode verurteilt wurden, mag einem die Frage kommen, warum diese eine so harte Strafe zu erwarten hatten. Die Antwort liegt fast 30 Jahre davor zurück in einem Trauma: Der Matrosenaufstand im November 1918

 

Ein kurzer Überblick:

Der Matrosenaufstand begann mit einer Meuterei, die  in den letzten Oktobertagen zum Ende des ersten Weltkrieges statt fand. Die Matrosen verweigerten das Hinausfahren zu einer letzten Seeschlacht gegen die britische Flotte, da ihnen durchaus bewusst war, dass dieser Angriff bloß symbolischen Charakter hatte und kaum Chancen hatten, zu überleben.

 

Einige Meuterer wurden verhaftet und in Kiel in Gewahrsam genommen.

Daraufhin begannen in Kiel Demonstrationen von Matrosen und Arbeitern, um die Freilassung der gefangenen Meuterer zu bewirken.

 

Während dieser Unruhen wurden Soldatenräte gebildet und immer mehr Schiffe schlossen sich der Befehlsverweigerung an. Die Soldatenräte verabschiedeten auch die "14 Kieler Punkte", die für mehr Mitspracherecht und bessere Arbeitsbedingungen der Soldaten plädierten.

 

Diese Rebellion war der Beginn der Novemberrevolution, die den Ausruf der Republik zur Folge hatte und somit die Monarchie beendete.

 

 

Doch was hat der November 1918 mit diesen Gerichtsurteilen zu tun?

Die Aufständischen von 1918 galten als die Verräter, die die Niederlage des Krieges zu verantworten hatten. Auch Hitler betrachtete die Rebellen von 1918 als Abtrünnige, die das Heer im Stich ließen. Hitler benannte in seinem Buch "Mein Kampf" sehr deutlich, was einen Deserteur seiner Meinung nach zu erwarten habe:

 

"Es muß der Deserteur wissen, daß eine Desertion gerade das mit sich bringt, was er fliehen will. An der Front kann man sterben, als Deserteur muß man sterben"  (*)

 

Solche Aufstände sollten sich somit in der Zeit des Nationalsozialismus nicht wiederholen, warum also besonders die Marinejustiz umso härter durchgriff und schwere Urteile fällte und vollstreckte. Der Matrosenaufstand wurde zu einem solchen Negativsymbol für die Niederlage und war auch nach Ende des Krieges so präsent, dass dieser "Alptraum" unter anderem die Todesurteile in der Geltinger Bucht nach sich zog.

 

 

 

 

* (Hitler, A.: Mein Kampf. 25. Auflage, München: 1933, S. 587, zitiert nach: Paul, Gerhard: Die Erschießungen in der Geltinger Bucht. Das blutige Geschäft der NS-Militärjustiz nach der deutschen Kapitulation und ihre justizielle Bearbeitung nach 1945, In: Bohn, Robert u.a. (Hrsg): Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein Band 9, Malente: 1995, S. 164 )