Alfred Gail's Abschiedsbrief

 

Als Alfred Gail in seinem Gefängnis auf der "Buéa" eingesperrt war, verfasste er Abschiedsbriefe an seine Eltern und seine Freundin. Auf dem Gedenkstein sind Auszüge aus dem Brief, den seine Eltern erhielten.

Um euch einen Einblick in seine Gedanken zu geben, haben wir die Briefe komplett abgeschrieben und noch versucht, den ersten, der auch in Auszügen auf dem Gedenkstein nachzulesen ist, filmisch darzustellen:

 

"Meine geliebte Mutti und Vater!

Wenn ihr diese Zeilen erhaltet , werde ich nicht mehr unter den Lebenden weilen, denn ich bin heute mitt noch zwei Kameraden zum Tode verurteilt worden wegen Fahnenflucht. Ich werde versuchen, Euch, so gut es geht, das zu schildern . . .

 

Um meinen Körper habe ich keine Angst, und ich sehe dem Tode ruhig und gefaßt entgegen. Nie hätte ich gedacht, daß ich mal so ruhig sein könnte. Nur für Euch, meine liebste Mutti und Vater und meine kleine Lilo, tut es mir sehr, sehr leid, Euch das antun zu müssen. Es ist anscheinend vom Schicksal so bestimmt worden, daß ich nicht mehr zurückkehren soll.


Wir werden nun die letzten Opfer dieses Krieges sein, und auch umsonst, wie so viele Gefallenen. Aber glaubt mir, ich bin kein Verbrecher, wenn man mir auch jetzt die Ehre genommen hat. Ich habe es lediglich nur getan, nachdem der Krieg ja aus war und um Euch dann beschützen zu können. Bei dieser Verhandlung habe ich die Gerechtigkeit so richtig als Hohn empfinden können, aber man kann ja nichts daran ändern.


Euch, ihr Lieben, wünsche ich für die Zukunft nun alles Gute von ganzem Herzen, betrauert und beweint mich nicht, denn das nützt ja auch nichts. Vielleicht bleibt mir dadurch viel schweres erspart. Gönnt mir meinen Frieden nach dem kurzen schweren Leben, denn es läßt sich ja doch nichts mehr ändern.

Es grüßt Euch, ihr Lieben, nun aufs allerherzlichste mit vielen Küssen zum letzten Male Euer lieber Junge, Euer Fredy."

 

 

 

 

Neben dem Brief, den Alfred Gail an seine Eltern schrieb, gibt es noch einen weiteren, den er an seine Freundin verfasste:

 

"Meine innigstgeliebte kleine Lilo!

Ein paar Zeilen möchte ich Dir jetzt noch als letzten Gruß schreiben, wenn Du sie erhälst, bin ich schon nicht mehr auf dieser Welt ...


Ja, meine liebste Lilo, nun heißt es für mich bald sterben. Ich hatte es mir immer schlimmer vorgestellt zu wissen, daß es bald aus ist mit dem Leben, aber ich muß sagen, ich bin ganz ruhig und gefaßt, und ebenso werde ich auch zu sterben wissen.


Nun ist alles vorbei, und ich hatte es mir einmal so schön mit dir vorgestellt. Ein paar Ringe hatte ich auch schon besorgt, die schicke ich Dir mit diesem Brief mit. Wenn Du sie einmal verwenden kannst, so tue es bitte, sie waren ja für Dich bestimmt ...


Sei nun zum allerletzten Male auf das innigste gegrüßt und ganz lieb geküßt von Deinem Dich innig liebenden Alfred."

 

(1): S. 32